Die Blasmusik in Rechberg So wird’s gwes’n sei’, bis hin zum

„Musikverein Trachtenkapelle Rechberg“

von Mag. Hermann Krichbaumer, Obmann von 1999 - 2009 des MV Trachtenkapelle Rechberg, mit besonderem Dank an ÖR Karl Weichselbauer, Matthäus Killinger sen., Josef Riegler sen. und Anton Waser für die Unterstützung und das Engagement bei der Aufarbeitung der (Vor-) Geschichte des MV Rechbergs .

 

Ab der Zeit um die Jahrhundertwende (1900 und etwas früher) gibt es mündliche Überlieferungen, dass Musikanten mit Blechblasinstrumenten als fixer Bestandteil des Dorflebens aktiv waren. Es ist bekannt, dass die Musikkapelle Rechberg bereits bei der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Rechberg 1902 aufspielte. Meist waren es jedoch nur kleine Abordnungen mit 6 bis 7 Musikanten, die bei allen möglichen Anlässen und kirchlichen Feierlichkeiten aufspielten.

 

Im schönen Gwand'l wurde damals gespielt und so mancher Musikant erwirtschaftete vor allem beim Aufspielen zu Hochzeiten, zu denen man sich auch Unterstützung durch andere Musikanten, meist aus den Nachbargemeinden Windhaag und Allerheiligen holte, kleine Nebeneinkünfte zum meist bescheidenen bäuerlichen Einkommen. Bei Hochzeiten wurden die Spenden in den „Geigenranzen" (ein zusammengenähtes Rehfell) gesteckt und danach unter den Musikanten aufgeteilt. Der Verdienst bei einer größeren Hochzeit entsprach manchmal dem Monatslohn eines Knechtes.

 

Bekannt ist aus dieser Zeit weiters, dass am Faschingsdienstag nach dem Gottesdienst um 8:00 Uhr morgens der Tanz eröffnet wurde und bis Mitternacht getanzt und Karten gespielt wurde. Aus dieser Zeit ist ein gewisser „BENKNER" aus Allerheiligen ein Begriff. Er war offenbar eine zentrale Figur in der Ausbildung junger Musiker der ganzen Region, die zu ihm gingen und dort das Bespielen von Klarinette, Flügelhorn und Es-Trompete erlernen konnten.

Magere Zeiten für die Musik

Der „1. Kapellmeister" der kleinen Musikantengruppe in Rechberg war bis 1914 ein gewisser Josef Riegler (vlg. Ortner) der leider, wie viele andere seiner Kameraden auch, 1914 im Kriegsdienst im I. Weltkrieg gefallen ist. Nach Ende des I. Weltkrieges übernahm der damalige Bgm. Josef Primetzhofer (vlg. Unter Moa) die musikalische Leitung der verbliebenen Musikanten und es entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit ein reges musikalisches Treiben im Dorf. Vor allem aus den Häusern „Wieser, Unter Moa, Ortner, Schau, Reiter, Buchsbaumwimmer" ging die Stammmannschaft der Blasmusikgruppe in Rechberg hervor, die mit Unterstützung einiger anderer vermutlich rund 10 Mann stark war.

 

In dieser Zeit konnten die jungen Musikanten beim „Wieser" Flügelhorn erlernen, beim „Buchsbaumwimmer" das Bass-Blasen und beim „Ortner" das Bespielen der Klarinette. Durch den Ausbruch des II. Weltkrieges - die meisten Musikanten waren zum Wehrdienst eingerückt - konnte, wie bereits während des I. Weltkrieges, nicht einmal bei Beerdigungen oder Hochzeiten, gespielt werden. Doch auch diese Zeit ging vorbei und die verbliebenen Musikanten gehörten ab 1946 unter der musikalischen Leitung von Johann Primetzhofer (vlg. Unter Moa), dem Sohn des bereits erwähnten Josef Primetzhofer, wieder zum fixen Bestandteil des Dorflebens dazu.

Ein Ständchen für den Sicherheitsdirektor

Anlässlich des Besuchs des damaligen „Sicherheitsdirektors des Mühlviertels" Hr. Seewinger, fand im Jahr 1946 der 1. offizielle Auftritt als Rechberger Blasmusikkapelle statt. Zu den bereits erwähnten Lehrmeistern kam in St. Thomas am Blasenstein ein gewisser Riegler Alois (Straßenmeister und später Kapellmeister von St.Thomas/Bl.) dazu, bei dem so manch junger Musikant lernen konnte. Es begann eine Zeit des regelmäßigen gemeinsamen Übens und Probens für Ausrückungen. „Unter der Woch'a" wurde beim „Wansch", beim „Unter Moa" oder beim „Ortner" geübt und es wurde begonnen, am Sonntagvormittag im Tafelzimmer der damaligen Wirte Ober Moa (GH Raab), sowie Karlinger (GH-Bauernfeind) regelmäßige Proben abzuhalten.

 

Anfang der 50iger-Jahre „ersammelten" sich die Musikanten ihre 1. Tracht, die ob ihrer Farbe heute noch als „braune Tracht" bekannt ist. Die Musikantengruppe um Kplm. Johann Primetzhofer vergrößerte sich beständig und es entwickelte sich ein reges musikalisches Treiben im Dorf und darüber hinaus. Im Jahre 1956 erhielten die Rechberger Musikanten ihre 2. Tracht. Es wird erzählt, dass dies vor allem auf Betreiben der Gattin des damals im 1. Jahr amtierenden Bürgermeister Strasser Johann möglich war, die zu ihrem Mann gesagt habe: „Du musst schau'n, dass die Musikanten guat' auzog'n san". Diese Tracht ist ob ihrer Farbe und der Tellerkappe als „die blaue Uniform" bekannt.

 

Einen großen Schritt zur nachhaltigen Weiterentwicklung der Blasmusik, als mittlerweile unverzichtbar gewordenen Bestandteiles des öffentlichen Lebens in der Gemeinde Rechberg, war die Vereinsgründung als „Musikverein Trachtenkapelle Rechberg" im Jänner 1968. Der damalig amtierende Bürgermeister Karl Weichselbaumer (vlg. Scheiblehner) als Obmann, Johann Bauernfeind (vlg. Hochwimmer) als sein Stellvertreter, der seit 1946 als musikalischer Leiter tätige Johann Primetzhofer (vlg. Unter Moa) als Kapellmeister sowie der damalige Gemeindesekretär Michael Schwaiger (Sohn vom Windisch) als Schriftführer und rund 10 Musikanten waren die ersten aktiven Vereinsmitglieder bei der Vereinsgründung.

 

Gleich im 1. Vereinsjahr konnten durch großzügige Spenden der Rechberger Bevölkerung und dem Erlös des „1. Bergfestes" (oberhalb vom Gessl auf dem Plenkaberg) neue Instrumente für die gesamte Kapelle angeschafft werden. Die Unterstützung durch die Kulturabteilung des Land OÖ (ab dem Gründungsjahr 1968 bis heute) bei der Anschaffungen von Trachten und Instrumenten, die stetig wachsende Mitgliederzahl und deren Beiträge bildeten und bilden heute noch die finanzielle Basis für eine erfolgreiche Vereinsentwicklung.

 

Im Jahr 1969 bezog der Musikverein das 1. Probenlokal im Erdgeschoss der Volksschule. Ein Teil des Erlöses des legendären „1. Rechberger Seefestes" im Jahr 1969, an dem sich die Musiker und die Mitglieder des Musikvereins maßgeblich beteiligt hatten, bildete den Grundstock dafür, dass 1970 die 3. Tracht, heute noch bekannt als „die alte grüne Tracht", angeschafft werden konnte. Im Jahr 1971 übernahm der damalige Volksschuldirektor Hermann Buchberger das Kapellmeisteramt. Unter seiner musikalischen Leitung gab es die ersten (musikalischen) Höhepunkte in der jungen Vereinsgeschichte. 1972 die erste Teilnahme an einer Marschmusikbewertung (Perg).

Von „Schalders“ zu „Autofahrer Unterwegs“

1976 gab es den 1. Vereinsausflug ins benachbarte Südtirol, heute noch als „Fahrt nach Schalders" bekannt; 1977 der 1. Musikerball am Valentinstag sowie 1979 der Auftritt in der Radiosendung „Autofahrer Unterwegs", die im GH Raab aufgezeichnet wurde. Im Jahre 1982 gingen die Musikanten wiederum von Haus zu Haus, um die Bevölkerung um Unterstützung zu bitten. Die „neue grüne Tracht", wie sie heute noch getragen wird, wurde angeschafft. In den folgenden Jahren kam es dann zu mehrfachem Wechsel im Kapellmeisteramt.

 

Der Musikant Michael Schwaiger (vlg. Wieser), der die Musiker bereits länger als Kplm. Stv. bei kleineren Ausrückungen anführte, löste Hermann Buchberger in dieser Funktion bis 1987 ab. Dieser blieb jedoch bis zum Ende seiner aktiven Laufbahn als „Dirigent" dem Musikverein treu. Anton Waser (vlg. Klein Wansch) übte die Funktion des Kapellmeisters von 1988 bis 1996 aus. Während seiner Funktionsperiode als Kapellmeister durfte er mit den Musikern 1991 in das neue Probenlokal in den 2. Stock der Volksschule einziehen. 1996 übernahm Kapellmeister Georg Prinz das Amt seines Vorgängers. Unter seiner musikalischen Leitung lag ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit in der Weiterentwicklung des konzertanten Spieles. Nicht von ungefähr kam es daher zur ersten Teilnahme an einer Konzertbewertung im Jahr 1997 in Saxen in der Vereinsgeschichte.

 

Im Jänner 1999 übernahm ich, Mag. Hermann Krichbaumer, die Funktion als Obmann des Musikvereines Rechberg von meinem Vorgänger Karl Weichselbaumer. Da erst 1997 nach Rechberg zugezogen und musikalisch völlig unerfahren, standen mir als Stellvertreter der damalige Bürgermeister Josef Bauernfeind (Hochwimmer) und Josef Ebenhofer (Groß Öllinger) mit Rat und Tat zur Seite. Dies war auch notwendig, da mir mein Vorgänger noch ein „Überraschungspaket" hinterlassen hatte.

Höhepunkte in Wien und zum Millenium

Im Winter 1999 durften wir der Bundeshauptstadt Wien den Weihnachtsbaum aus Rechberg (vom Groß Spat) für den Wiener Rathausplatz mit musikalischen Grüßen des Landes OÖ überbringen. Das gemeinsame Spiel mit der Gardemusik am Wiener Rathausplatz sowie der anschließende Empfang im Rathaus war sicher ein Höhepunkt für viele unserer Musikanten, Marketenderinnen, Funktionäre und der mitgereisten Rechberger Abordnung („das halbe Dorf in Wien").

 

Doch damit nicht genug, hatte mein Vorgänger das Bezirksblasmusikfest des Bezirkes Perg im Millenniumsjahr 2000 für Rechberg „reserviert". Ein 3-Tage Fest unter dem Motto „100 Jahre Musik in Rechberg", mit tollen Marschvorführungen von Blasmusikkapellen der Bezirke Perg und Freistadt auf der neuen Rechberger Sportanlage, waren Anfang Juli 2000 das Ergebnis eines planungs-, arbeits-, und probenintensiven Jahres aller aktiven und vieler der unterstützenden Mitglieder und Freunde des Rechberger Musikvereines.

 

Rund 100 Jahre war die musikalische Leitung der verschiedenen Musikergruppen und später der Trachtenkapelle Rechberg fest in Rechberger Hand. Mit Kplm. Martin Mörwald (aus Perg) übte ab Herbst 2000 erstmals ein Musikschullehrer die Funktion des Kapellmeisters aus. Generell gesagt, hat sich das Musikschulwesen im Bezirk Perg, mit den Landesmusikschulen in Perg, Saxen und Waldhausen mittlerweile zu einem fixen Bestandteil der Jugendarbeit entwickelt, und trägt seit Jahrzehnten maßgeblich zur Ausbildung des Nachwuchses im Bezirk und so auch für den Musikverein Rechberg bei. Ob seiner beruflichen Tätigkeit war es daher nicht weiter verwunderlich, dass Martin Mörwald in seiner Funktionsperiode (2000 - 2008) als Kapellmeister einen Schwerpunkt der musikalischen Vereinsarbeit dem Nachwuchs widmete. Dass Mädchen und Frauen mittlerweile maßgeblich am Weiterbestand und Erfolg des MV-Rechberg beteiligt sind (~1/3 Mädchen respektive Frauen als aktive Musiker-/FunktionärInnen) zeigt sich im Besonderen daran, dass seit Mai 2008 mit Helgard Saminger aus Weißenkirchen im Attergau, eine Frau als Kapellmeisterin den Takt bei den MusikerInnen vorgibt.

 

Nach rund 100-jähriger Traditionsarbeit und ständiger Weiterentwicklung ist der Musikverein Rechberg mit seinen rund 35 aktiven MusikerInnen, Marketenderinnen und Funktionären ein fixer und wert bestimmender Bestandteil des Dorflebens. Neben den verschiedensten Aktivitäten im Dorf (aufspielen bei Hochzeiten, musikalische Begleitung bei Begräbnissen, Dorfabende für den Tourismusverband, gestalten von Früh- und Dämmerschoppen für andere Vereine und Institutionen des Ortes sowie musikalische Umrahmung von Empfängen für die Gemeinde, Kindertage im Rahmen des Gemeindeferienprogrammes, Kinder- Vereins- und Wunschkonzerte, die alljährlichen Musikheurigen seit 2003 etc.) sind die auf Bezirksebene veranstalteten Konzert- und Marschwertungen, an denen seit deren Einführung regelmäßig teilgenommen wurde und wird, ein wichtiger Bestandteil zur Standortbestimmung der musikalischen Leistungsfähigkeit sowie zur aktiven Weiterentwicklung der „Musik in Bewegung".

Mut zu Neuem

„Die Auswendigen" - eine Musikantengruppe aus den Reihen unseres Musikvereines - trägt seit ein paar Jahren maßgeblich dazu bei, die Tradition des „Spielens ohne Noten", für das die Rechberger Musikanten seit Jahrzehnten bekannt sind, zu bewahren. Diese Mischung aus Weiterentwicklung und „Leben" von Traditionellem jedoch auch mit Mut zum Neuen ist der Weg, den die Musikanten des Musikvereines unter der Leitung des Kapellmeisters, aber auch in kleinen Gruppen in Eigeninitiative gehen und hoffentlich noch lange gehen werden.

 

Danke

Stellvertretend für alle Musiker und Funktionäre und alle Menschen, die sich um die musikalische Entwicklung der Blasmusik in Rechberg in den vergangenen rund 100 Jahren verdient gemacht haben, obliegt es mir, als Obmann des MV Trachtenkapelle Rechberg, mich beim amtierenden Vorstand stellvertretend für alle in dieser Chronik nicht namentlich Genannten, die oftmals jahrzehntelang, manchmal nur im Hintergrund, wertvolle Vereinsarbeit (Funktionäre bzw. deren Stellvertreter, Marketenderinnen, Schneider/-in.....) oder Unterstützung (Land OÖ, Gemeinde Rechberg, unterstützende Mitglieder des MV, Privatpersonen, Busunternehmen Killinger.....) geleistet haben, für ihr ehrenamtliches Engagement bzw. ihre (finanzielle) Unterstützung zu bedanken.

 

Wir haben von unseren Vorgängern den Auftrag übernommen, die Bewahrung von Traditionellem und Entwicklung des musikalischen Wesens dem Zeitgeist und dem Wesen unserer Kultur in unserem Ort fortzusetzen. So geben auch wir, genau wie unsere Vorgänger, unser Bestes und werden diesen Auftrag auch an unsere Nachfolger weitergeben.

Entstehung des Vereins um die Jahrhundertwende (1900 und etwas früher)


1. Kapellmeister bis 1914: Josef Riegler (vlg. Ortner)
es folgte der damalige Bgm. Josef Primetzhofer
1946 Johann Primetzhofer
1971 Hermann Buchberger
bis 1987 Michael Schwaiger
1988 - 1996 Anton Waser
1996 - 1999 Georg Prinz
2000 - 2008 Martin Mörwald aus Perg
2008 - 2010 Helgard Saminger aus Weißenkirchen im Attergau

01.01. - 31.08.2011 Thomas Stazer aus Windhaag

seit 01.09.2011 Klonner Gabi und Thomas Waser

 

1946: 1. offizieller Auftritt als Rechberger Blasmusikkapelle

Anfang der 50iger Jahre: 1. Tracht „braune Tracht"
1956: 2. Tracht „die blaue Uniform"
1970: 3. Tracht „die alte grüne Tracht"
seit 1982: „die neue grüne Tracht"

 

Musikverein Trachtenkapelle gegründet im Jänner 1968:
Gründungsmitglieder: Obmann Bgm. Karl Weichselbaumer
Obmann-Stv. Johann Bauernfeind
Kapellmeister Johann Primetzhofer
Schriftführer Michael Schwaiger
Obmann von 1999 - 2009: Mag. Hermann Krichbaumer
Obmann seit 2009: Gerhard Greindl

 

1969: 1. Probenlokal im Erdgeschoss der Volksschule
1991: neues Probenlokal im 2. Stock der Volksschule

2009 - 2011: Sanierung Probenlokal im 2. Stock der Volksschule